„Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.“
Eine eher beiläufige Bemerkung im heutigen Evangelium, so scheint es. In Wirklichkeit gibt dieser unscheinbare Satz die Richtung an, in der die Erzählung von der Brotvermehrung zu verstehen ist. Was Jesus hier tut, ist Erinnerung an die Nacht der Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei. So wie die Menschen damals, in der Paschanacht, das Brot miteinander geteilt haben, so teilt es Jesus mit den rund 5000 Menschen, die ihm gefolgt sind, weil sie spüren, dass er mehr zu geben hat.
   Jesus zieht sich zuvor auf den Berg zurück, den Berg als Ort der Berührung zwischen Himmel und Erde, um dem Volk danach die rettende Weisung zu bringen wie einst Mose die zehn Gebote. Und schließlich erinnert das Brotwunder Jesu an das rettende Himmelbrot in der Wüste, das Manna.
   So ist das in der Bibel oft, vor allem beim Evangelisten Johannes, aus dessen Buch wir in den kommenden Wochen hören werden. „Zeichen“ nennt er die Brotvermehrung, genauso wie das Weinwunder in Kana oder die Auferweckung des Lazarus. Zeichen müssen gedeutet werden, sie erschließen sich nicht auf den ersten Blick, damals nicht und heute nicht. Wir reden gerne von den „Zeichen der Zeit“, die es zu verstehen gilt - gibt es nicht genug davon auch in unserer Zeit, schöne und schreckliche, alltägliche und besondere? Ein Abschnitt aus einem Hochgebet der Messe fällt mir da ein: „Lass alle Glieder der Kirche die Zeichen der Zeit verstehen und in der Treue zu deinem Evangelium wachsen. Mach uns offen für die Menschen um uns, dass wir ihre Trauer und Angst, ihre Hoffnungen und Freuden teilen und ihnen den Weg weisen zu dir.“

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht
Pastor Manfred Plunien